Selbstfürsorge Choreografie
- mail4679
- 22. März
- 2 Min. Lesezeit
Immer wieder gerne schreibe ich im Auftrag der Hamburger Fernhochschule Studienbriefe. Kürzlich war mein Belegexemplar im Briefkasten. "Selbstfürsorge als Grundlage professionellen Handelns." (erschienen Feb.26 gemeinsam geschrieben mit Dr Detlef Krüger und Prof.Dr. Angela Schroeder) Das Schöne ist, dass Aufträge wie diese mich veranlassen, mich in eine Thema reinzufuchsen, Fachliteratur zu durchstöbern, mit den Kolleg:innen zu diskutieren und Ideen, die dabei aufploppen in meinen beruflichen Feldern zu realisieren. Zum Beispiel die Choreografie der Selbstfürsorge. Mit Selbstfürsorge ist die Fähigkeit gemeint, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, wo nötig Grenzen zu setzen und aktiv für die eigene psychische und physische Gesundheit Sorge zu tragen. (vgl. Groen, G., 2024, S.121). Aber wie und wodurch? Oft wissen wir eigentlich, was uns gut tut - doch gerade unter Streß denken wir nicht daran. Es gibt nicht die eine Zaubertechnik. Es sind vielmehr hilfreiche Grundhaltungen und viele Momente im Tagesverlauf, an den wir so oder anders reagieren können. (vgl. Zito und Martin, 2021, S.44) Mit Leitungen von Kinderhäusern habe ich dazu gearbeitet. Wir haben uns erst mal angekuckt, wie die Kurven des Wohlbefindens und damit der Leistungsfähigkeit laufen können. Das Team sitzt sozusagen in einem Wagen in der Achterbahn des beruflichen Dasein. Und es kommt eine belastende Phase, dann gibt es einen Knick nach unten - wie schnell dieser kommt, wie lange die Talfahrt geht, inwiefern nach der Talfahrt vielelicht sogar ein Zugewinn an Wissen und Kompetenzen das Team bereichert, hängt u.a. davon ab, wie resilient die Fachkräfte sind.

In einem Workshop haben die teilnehmenden Führungskräfte von Kitas ihre drei TOP-Stressoren zusammen getragen und priorisiert, die ihre Teams belasten. Anonyme Prozesse beschreibt die subjektive Wahrnehmung, dem Geschehen (den Stressoren) ausgeliefert zu sein. In dieser Perspektive liegen 100% der Gestaltung von Rahmenbedingungen und dem Verhalten untereinander im aussen - sind also zu 0% beeinflussbar. Um auf der grünen Route unterwegs sein zu können, braucht es die Überzeugung und die Möglichkeit der Gestaltung und Beeinflussung der aktuellen Lage auf individueller Ebene, auf Ebene des Teams und der Rahmung und Ermöglichung durch die Organisation.

Selbstfürsorge kann als Element der professionellen Kompetenz verstanden werden. Sie ermöglicht den Fachkräften eine gesunde Balance zu finden zwischen Nähe und Distanz zur Arbeit und zu Klient:innen/Kund:innen. Im Workshop haben die Führungskräfte für sich selbst reflektiert, wo die individuellen Stellschrauben sind, um durch die vielfältigen Anforderungen des Arbeitstages zu kommen - vom Start in den Tag bis zum Aussegeln. Der Start in den Tag wirkt wie eion Stimmungs- und Belastungsverstärker. eine positiv gestaltete Morgenroutine kann die eigene Stressresistenz stärken, während ein hektischer Start in einem Reizstrudel häufig schon vor Arbeitsbeginn zu Stresssymptomen führt.

Es lohnt sich für Teams, sich mit der Alltagschoreografie auseinander zu setzen, ich biete dazu Workshops an. Aber auch die individuelle Auseinandersetzung ist hilfreich. Welche Form des Startens fühlt sich stimmig an und ist machbar? Wie und womit schaffen Sie sich eine ruhige Grundlage als Start in den Arbeitsalltag? Was führt bei Ihnen zu einem hektischen Reizstrudel? Was können und wollen Sie an Ihrem Tagesstart verändern oder genauso lassen, wie es ist?




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